Haltung und Einsatz

Der Rahmen zu Haltung und Einsatz von offiziell anerkannten Herdenschutzhunden wird durch den Bund in der Vollzugshilfe Herdenschutz definiert.

Winterhaltung

Oftmals wird die Winterhaltung der Herdenschutzhunde unterschätzt. Diese müssen ganzjährig mit den zu schützenden Nutztieren gehalten werden und brauchen täglich Auslauf. Je nach Lage des Heimbetriebs kann es zu Konflikten mit Nachbarn oder gar zu Lärmklagen kommen – eine sorgfältige und frühzeitige Kommunikation zu den Hunden ist wichtig. Herdenschutzhunde müssen zudem in der Regel mindestens zu zweit mit ständiger, ungehinderter Kontaktmöglichkeit untereinander gehalten werden.

Konfliktmanagement

Für den Einsatz der Herdenschutzhunde auf Alpen und öffentlich zugänglichen Weiden haben AGRIDEA, die Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft (BUL) und weitere Partner den Ratgeber "Konfliktmanagement – Herdenschutzhunde im Einsatz" ausgearbeitet. Der Ratgeber enthält neben Empfehlungen auch Checklisten mit den wichtigsten Fragen, die sich Alp- und Betriebsverantwortliche im Zusammenhang mit Herdenschutzhunden und Tourismus stellen müssen. Ziel ist es, das Risiko von Vorfällen zwischen Wanderern, Bikern etc. und Herdenschutzhunden möglichst zu minimieren. Dazu gehört auch eine möglichst umfassende Kommunikation der Öffentlichkeit durch das Aufstellen von Hinweisschildern zu den Herdenschutzhunden und das Auflegen von Flyern und Comic zum korrekten Umgang mit diesen Hunden bei Tourismusbüros, Bergrestaurants etc.

Flyer, Comic und Hinweistafeln können gratis bei AGRIDEA bezogen werden.

Voraussetzungen für einen effizienten Einsatz

Herdenschutzhunde sind in vielen Situationen, insbesondere im Sömmerungsgebiet, die einzig wirksame Massnahme zum Herdenschutz. Allerdings ist deren Wirksamkeit von zahlreichen Bedingungen abhängig, vor allem von der Bereitschaft des Landwirtes, sich mit diesen Hunden abzugeben und mit ihnen das ganze Jahr zu arbeiten. Herdenschutzhunde sollten nur bei entsprechender persönlicher Bereitschaft eingesetzt werden. Die Schutzwirkung der Herdenschutzhunde ist von der räumlichen Verteilung der Nutztierherde abhängig. Dabei muss die Nutztierherde eine räumlich kompakte Einheit bilden, besonders bei schlechter Sicht (Regen, Nebel, Nacht), in unübersichtlichem Terrain (Buschweide, stark coupiertes Gelände) oder wenn die Nutztiere von verschiedenen Besitzern stammen. Eine Herde von vierhundert Schafen sollte sich zu keinem Zeitpunkt über mehr als rund 20 ha Weidefläche verteilen (Richtwert). Diese kompakte Einheit wird erreicht durch die Wahl einer herdenbildenden Nutztierrasse oder durch eine entsprechende herdentechnische Weideführung (Behirtung mit Hütehunden, kleine Weidekoppeln bei Stand- oder Umtriebsweiden). Ungünstig ist eine Aufteilung der dem Herdenschutzhund bekannten Nutztierherde auf mehrere Weidgruppen.

Je nach Raubtierdruck, Herdengrösse und -kompaktheit, Eigenheiten des Weidegebiets etc. braucht es mehr oder weniger Herdenschutzhunde zur Bewachung einer Nutztierherde. Als Faustregel gilt, dass zwei Hunde für rund zweihundert Nutztiere genügend Schutz bieten können, pro dreihundert weiteren Nutztieren empfiehlt sich je ein zusätzlicher Hund. Der Rudeldynamik unter den Hunden kommt eine grosse Bedeutung für die Schutzeffizienz aber auch für eine mehr oder weniger anspruchsvolle Hundehaltung zu. Wer mit offiziellen Herdenschutzhunden arbeitet, darf diese nicht zusammen mit nicht offiziellen Herdenschutzhunden einsetzen.

Eine Studie zu in der Region Gantrisch-Schwarzsee (BE/FR) eingesetzten Herdenschutzhunden hat deren Effizienz zumindest unter den dort vorgefundenen Bedingungen klar aufgezeigt. Letztlich können jedoch nur die Grossraubtiere aufzeigen, welche Herdenschutzhunde unter welchen Bedingungen wirklich effizient arbeiten.