Luchs
Bestand und Nutztierrisse
In der Schweiz sind hauptsächlich der Jura, die Nordseite des Alpenbogens sowie ein Teil der Nordostschweiz von Luchsen besiedelt. Weitere sich ausbreitende Bestände gibt es in Graubünden (v.a. in der Sursvela und im Engadin) und im Wallis, aber auch im Tessin auf der Alpensüdseite sowie im Mittelland.

Der Luchsbestand wird auf rund 360 Exemplare geschätzt, Jungtiere ausgeschlossen (Stand April 2025).
Luchse findet man vorwiegend in bewaldetem Hügel- und Berggebiet, wobei sie inzwischen auch in offenen Gebieten, auch oberhalb der Waldgrenze, sowie im Siedlungsraum beobachtet werden. Risse in der offenen Landwirtschaftlichen Nutzfläche können entsprechend nicht mehr ausgeschlossen werden.
In den letzten 20 Jahren waren durchschnittlich ca. 10% der Nutztierrisse auf den Luchs zurückzuführen. Tendenziell werden eher junge, unerfahrene und unachtsame Tiere gerissen. In den Jahren 2020-2025 gab es jährlich zwischen 64 und 130 bestätigte Luchsrisse an Nutztieren. Der überwiegende Teil davon waren Schafe (ca. 60%), gefolgt von Ziegen und Gehegewild.
Luchsübergriffe auf Nutztiere kommen in der Regel lokal gehäuft vor. Während die meisten Individuen keine Gefahr für Nutztiere darstellen, spezialisieren sich in seltenen Fällen einzelne Luchse auf Nutztiere und einzelne Weiden können wiederholt immer wieder von Rissen betroffen sein.
Jagdverhalten und Herdenschutz
Luchse leben und jagen einzelgängerisch und sind hauptsächlich in der Nacht aktiv. Im Gegensatz zum Wolf ist der Luchs kein Hetzjäger, der seine Beute über weite Distanzen verfolgt, sondern ein Anschleichjäger, der den Überraschungseffekt nutzt. Dabei versucht er, sich seiner Beutetiere unbemerkt möglichst nah anzuschleichen oder ihnen aufzulauern. Rückzugsmöglichkeiten, gute Tarnung und eine ungestörte Umgebung zum Lauern und Anschleichen sind zentral für sein Jagdverhalten. Der bevorzugte Lebensraum des Luchses ist der Wald. Ortspezifische Faktoren wie Waldnähe, Verbuschung, das Vorhandensein von Hecken, Feldgehölzen oder Felsen und Geländeunebenheiten (Versteckmöglichkeiten) führen dazu, dass einzelne Weiden stärker exponiert sind. Weiden, auf welchen es gehäuft zu Luchsangriffen kommt, werden auch als «Hot-Spot-Weiden» bezeichnet.
Eine Kombination aus standortspezifischen Gegebenheiten (waldnahe Weiden, Verbuschung, etc.), hoher Luchsdichte und unzulänglicher Herdenschutzmassnahmen kann dazu führen, dass einzelne Nutztierhalter überproportional von Luchsangriffen betroffen sind. Es hat sich gezeigt, dass in solchen Fällen die Entfernung des schadenstiftenden Raubtiers längerfristig wenig bewirkt.
In Gebieten mit wiederholten, überproportional grossen Schäden oder bei Weiden, die aufgrund ihrer Struktur eine erhöhte Anfälligkeit für Luchsangriffe aufweisen, können standortspezifische Schutzmassnahmen sinnvoll sein und sich auch aus finanziellen Überlegungen lohnen. Dem Entscheid, Schutzmassnahmen gegen den Luchs umzusetzen, geht eine Risikoabschätzung voraus (Luchs-, aber auch Wolfspräsenz, Exponiertheit der Weiden, Analyse zu Kosten und Aufwand…). Es ist wichtig zu beachten, dass gemäss JSV nur geschützte Nutztiere entschädigt werden.
Fachgerecht erstellte Elektrozäune gelten als die effizienteste Methode gegen Luchsangriffe und sind im In- und Ausland die meistempfohlene Massnahme zum Schutz der Nutztiere vor dem Luchs.
Prinzipiell funktioniert auch der Einsatz von Herdenschutzhunden, wobei sich aber der Aufwand für Haltung und Einsatz dieser Hunde in der Regel alleine wegen des Luchs nicht auszahlen.
Optische oder akustische Vergrämungsmassnahmen können eine kurzfristige, zeitlich begrenzte und ergänzende Schutzmassnahme darstellen. Wie beim Wolf muss jedoch darauf geachtet werden, dass die abschreckende Wirkung durch Gewöhnung nicht verloren geht. Siehe dazu Kapitel «Vergrämungsmassnahmen» und Merkblatt Flatterbänder und Blinklampen.
Esel und Lamas werden vereinzelt ebenfalls zum Schutz gegen Luchse eingesetzt. Die Schutzwirkung ist jedoch nicht eindeutig nachgewiesen.
Typischerweise töten Luchse ihre Beute mit einem gezielten Kehlbiss. In der Vergangenheit wurden deshalb Versuche mit Schafen durchgeführt, die mit Schutzhalsbänder versehen wurden. Es zeigte sich jedoch, dass dies keine wirksame Schutzmassnahme darstellt: Viele Schafe wurden trotzdem getötet, durch Bisse unter- / oberhalb der Riemen.
Nebst Schutzmassnahmen können auch einzelne spezifische Anpassungen im Weide- und Betriebsmanagement wirksam gegen Luchsrisse sein, u.a.:
- Einstallen / Einpferchen der Nutztiere während der Nacht
- Nutzung einzelner Hochrisiko-Weiden durch Kleinwiederkäuer beenden
- Grössere Distanz der Weiden zu Waldrand, Hecken und weiteren Versteckmöglichkeiten
- Keine Sömmerung von ungeschützten Schafen oder Ziegen in Rindviehherden
- Verlegung der Herden in Lebensräume, die vom Luchs seltener aufgesucht werden (bspw. offene LN)
Links
Luchs: Portrait, Verbreitung, Bestand, Nutztierrisse (KORA)