Portugal

Raubtiere

Eine Wolfspopulation von ca. 300 Tieren, hält sich relativ stabil im Norden Portugal’s. Bären sind seit Jahrzehnten verschwunden. Im Süden des Landes wurden in den letzten Jahre keine Pardelluchse aus der südspanischen Population mehr nachgewiesen. In den südlichen Gebieten lebt jedoch eine relativ grosse Anzahl streunender Hunde, die beträchtliche Schäden beim Kleinvieh verursachen. In den Gebieten ohne ständige Wolfspräsenz sind die Herden grösstenteils ungeschützt.

Wegen den sehr geringen Beständen von Schalenwild ist im ganzen Land das Nahrungsangebot für die Wölfe knapp. Aus diesem Grund besteht ein konstanter Druck auf die Nutztierhaltung.

Nationale Politik

Seit 1988 sind die Wölfe im ganzen Land geschützt. Dadurch erholte sich die Wolfspopulation und die Schäden in der Landwirtschaft sind jährlich angewachsen. In den vergangenen 10 Jahren wurden sowohl die Präventionsmassnahmen wie auch das Entschädigungssystem verbessert. Die gesetzlichen Grundlagen werden zur Zeit überarbeitet.

Im Managementplan zur Koexistenz von Wolf und Mensch werden folgende Massnahmen als prioritär erachtet:

  • Wiederansiedlung und Verbreitung von natürlichen Beutetieren der Wölfe
  • Verbesserung der Präventionsmethoden
  • Verbesserung des Entschädigungssystems für die Kleinviehhalter
  • Kontrolle der streunenden und wildernden Hunde
  • Verbesserung von Ausbildung und Öffentlichkeitsarbeit

Seit den 80-er Jahren koordiniert die GRUPO LOBO das Monitoring und die Präventionsmassnahmen in Zusammenarbeit mit dem Montesinho-Nationalpark. Für die Umsetzung verschiedener Forschungsprojekte wird vor allem mit  der Universität von Lissabon zusammengearbeitet.

Die Entschädigungszahlungen für die Wolfsschäden werden vom Institut Naturschutz und Biodiversität (ICNB) koordiniert.

Landwirtschaft

Die portugiesische Landwirtschaft ist im Norden geprägt durch sehr kleine und ineffiziente Strukturen. Im Süden sind die Flächen grösser und werden intensiver bewirtschaftet. Die Produktion der Kleinviehhaltung ist vor allem in dünnbesiedelten Bergregionen von Bedeutung. Die Schaf- und Ziegenhaltung und die Milchverarbeitung blicken auf eine lange Tradition zurück. In den Gebieten der heutigen Wolfspopulation wird die Viehzucht in kleinen Familienbetrieben organisiert und ist abhängig von Subventionen aus der EU. Im unproduktiven Gelände werden vorwiegend Schafe und Ziegen gehalten. Beim freien Weidegang von Pferden und Rindvieh im Nordwesten werden meistens keine Präventionsmassnahmen ergriffen, sodass es immer wieder zu Schäden kommt.

Schutzmassnahmen

Für die Wiedereinführung der Herdenschutzhunde wurde ein Programm zu Zucht, Ausbildung und Monitoring der Herdenschutzhunde aufgebaut. Es wird vor allem mit den lokalen Rassen „Cao de Castro Laboreiro“, „Cao da Serra da Estrela“ und „ Cão de Gado Transmontano “  gearbeitet.

Punktuell werden auch Elektrozäune eingesetzt. Es gibt keine systematische, finanzielle Unterstützung des Staates zur Förderung von Präventionsmassnahmen. Die meisten Herden werden noch von lokalen Hirten betreut. Allerdings wird es durch die allgemeine Landflucht immer schwieriger, motivierte und qualifizierte Leute zu finden.